Die innere Uhr hat gut funktioniert und so bin ich dann auch schon um zwanzig vor sieben aufgewacht und hab dann angefangen, alles zu packen. Die Wäsche – oder der Wind – war gnädig und es war alles doch schon recht trocken. Ein T-Shirt war noch sehr klamm, aber nun gut. Viel ärgerlicher war, dass mir eine Socke abhanden gekommen ist. Hab ich bestimmt auf dem Weg zur Waschmaschine verloren. Alles zweimal abgesucht, weg. Entweder hat einer der vorbildlichen deutschen Camper (sorry für’s Klischee) die direkt weggeschmissen (Was macht die denn hier?! Eine einzelne Socke? Das ja Quatsch!) oder aber es war eine der beiden Katzen, die da herum gestreunt sind. Schade, die hatte ich gerade erst gekauft und die waren echt gut. Zum Glück war’s eine Doppelpackung.

Pünktlich halb neun hatte ich alles verpackt. Zehn Minuten später war Maik dann auch da und wir fuhren hinunter in die Stadt zum Frühstücken. Es hatte fast noch alles zu. Eine Bäckerei, eigentlich mehr Konditorei, hatte zum Glück schon geöffnet. (Bei so vielen deutschen Touristen hätte ich mit mehr gerechnet… nochmal sorry für’s Klischee!)

So saßen wir zusammen in dieser Konditorei und tauschten uns über unsere Erlebnisse der letzten paar Tage aus. Es waren ja nun nicht so viele Tage, aber wir erzählten und erzählten, fast zwei Stunden lang. Wir hatten beide keine großen Strecken vor uns und somit machte das auch nichts. Das einzige, was drückte, war der bevorstehende Regen. Ursprünglich dachte ich, dass wir gemeinsam zur Wolfsschanze fahren würden, aber heute war Champions League. Dortmund gegen Barcelona konnte sich Maik auf keinen Fall entgehen lassen und das funktioniert nur in einer größeren Stadt, wo es auch eine Sportsbar gibt. Nachvollziehbar und richtig entschieden, mein kleiner Röhrenfernseher in meinem Zimmer hier zeigte auch gerade nicht so viel an.

Dann war der Zeitpunkt gekommen und unsere Wege trennten sich wieder einmal. Aller Voraussicht nach bis auf weiteres. Aber wer weiß? Das dachten wir jetzt schon mehrfach. So fuhr er an der Kreuzung nach links, ich nach rechts. So long, farewell!

Es war schon etwas bedeckter, aber immer noch alles okay und ich fuhr mit leichtem Rückenwind durch Masuren, immer noch eine bezaubernde Landschaft.

Der Flying Otter lief gut, alles okay, ging gut voran. Dann hatte Komoot die erste Wellblech-Oberfläche für mich parat. Die Rillen waren so heftig, dass es mir glatt das Gepäck vom Gepäckträger warf. Respekt! Während ich wieder alles neu verzurrte, kamen zwei Polen in ihrem SUV dazu und fragten, ob alles okay wäre. Danke, nix passiert! Sie erzählten, dass ihnen das Feld an diesem Weg gehören würde – und dass man da fast besser drauf fahren könne als auf diesem Weg. Jupp, gehe ich mit. Danach folgten hauptsächlich „normale“ Straßen und es ging weiter gut voran. Ungefähr bei der Hälfte meiner Strecke war ich in Ryn (Rhein) und kam am gleichnamigen Schloss und Burg vorbei. Sehr imposantes Gebäude, was auf den Deutschen Orden zurückgeht wie vieles in dieser Region.

Schloss und Burg Rhein, die andere Seite hat eine ganz tolle Klinkerfassade

Direkt danach war es soweit und ich konnte mich über zweitausend gefahrene Kilometer freuen. Das ist schon ein tolles Gefühl, gerade wenn man auf jeder eiskalten Gegenwindstrecke denkt, dass man völlig benagelt sein muss, sich sowas anzutun. Die Freude währte ungefähr drei Minuten, dann fing es an zu regnen. Fairerweise kam nach zweihundert Metern eine Bushaltestelle MIT Wartehäuschen. Da konnte ich dann meine Regensachen anziehen und weiterfahren. Der Regen ließ auch ganz schnell nach und zwischenzeitlich kam sogar die Sonne wieder hervor.

Dann fing es wieder an und ich dachte mir, egal, nur noch gut fünf Kilometer, dann bist Du da. Da vorne noch einmal abbiegen und dann nur noch dem Weg folg… Euer Ernst?! Das war einfach kein Weg, das war Piste. Anfänglich. Dieser „Weg“ hatte einige Überraschungen parat.

Das war noch mit das beste Stück von dem Weg!

Über Sand (etwas angefeuchtet, klebt gut an den Reifen), Feldweg mit Schlaglöchern, bergauf, bergab, Brennnesseln auf Lenkerhöhe bis hin zu riesengroßen Steinen, die das ganze zu einem Feldwegkopfsteinpflaster werden ließen, war einfach alles dabei. Zum Glück ließ der Regen nach. Nach einer Weile – leicht später als erwartet – kam ich bei der Wolfsschanze an. Mir kam direkt ein altes Militärfahrzeug entgegen, inklusive komischer Menschen darauf. Naja. Zuerst anschauen oder zuerst ins Hotel, Sachen wegbringen? Der Regen entschied auf erst Sachen wegbringen. Okay, das Hotel ist ja nur 800 m entfernt, fährst Du später hin. Sollte nicht so sein. Immer wieder Regen, somit habe ich den Besuch auf morgen früh nach dem Frühstück verschoben.

Dann bin ich runter ins Restaurant zum Essen – einziger Gast, schon schräg… Das Essen war okay und kurz bevor ich fertig war, kann noch ein deutsches Pärchen zum Essen. Ein Polizist aus Thüringen mit seiner Frau. Auch mit den beiden habe ich dann noch bestimmt eine halbe Stunde gequatscht.

Auch wenn das nur 44 km heute waren, ich bin hinreichend müde. Morgen etwas Bildung und dann zurück weiter Richtung Küste!

Gesamtstrecke: 44215 m
Gesamtanstieg: 416 m
Gesamtzeit: 06:24:04
Download file: Track_2019-09-17.gpx


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